Missglückte Lieben

Erzählungen

von

Mit ‚Missglückte Lieben’ legt die Autorin P.F. Anne Krull bereits ihren zweiten Erzählband im Geest-Verlag vor. Der erste Band ‚Tupfer eines Ichs’ beschäftigte sich intensiv mit der Entwicklung der eigenen Identität in den Jahren des deutschen Faschismus.

Das neue Buch ist mit drei eigenständigen Erzählungen eine Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Liebesvorstellung auf dem Hintergrund historischer Entwicklungen.

Die Erzählung ‚Warum hast du das getan’ beruht dabei auf einer kaum glaubhaften, aber tatsächlichen Begebenheit. Eine lesbische Leidenschaft wird geschildert, bei der die von diesem Gefühl Besessene glaubt, auf unlautere Art und Weise Interesse und Sympathie an einer Partnerin erwecken zu müssen. Es entwickelt sich, ist dies anders kaum zu beschreiben, ein Psychokrimi, der allerdings nur auf der Folie des Zweiten Weltkrieges und des Faschismus verständlich ist. Ein junges Mädchen nimmt zahlreiche Rollen als heldenhafte Frau im zweiten Weltkrieg ein – als Jagdfliegerin – und versucht sich so, ihre Partnerin gefügig zu machen. In diesen verschiedenen Rollen breitet sie ein ganzes Netz von Briefen und Beziehungen zu ihrer Freundin aus. Am Ende die Katastrophe, die unaufhaltsam eintreten muss, da die Zuneigung nicht erwidert wird.

Für jede Schulklasse als Klassenlektüre zu empfehlen ist die zweite Erzählung des Bandes ‚Was weißt du über Davids Geschichte’. Ein durch Verbrennungen bei einem Bombenabwurf völlig entstelltes Mädchen trifft auf den sich vor den Nazis versteckenden jungen Juden David. Die persönliche Gefühlsproblematik der beiden Protagonisten auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung wird von der Autorin so entwickelt, dass der Leser beinahe fassungslos vor dieser Geschichte stehen bleibt. Jüdisches und deutsches Schicksal in dem Scheitern einer nicht möglichen Liebesbeziehung, wohl selten ist die Problematik auch sprachlich so eindringlich gestaltet worden.

Die dritte Erzählung des Buches setzt sich mit der Mutter-Tochter-Beziehung auseinander. Auch hier eine gescheiterte Liebe, die schließlich im Selbstmord der Tochter endet, aufs eindringlichste von der Autorin mit der biblischen Salome-Geschichte verwoben. Es geht um Wege und Umwege der Selbstbefreiung von Mutter und Tochter, bei denen um Bewahrung und Bewährung alter Strukturen gerungen und gelitten wird.

Ein Buch, dem man zweifelsohne die inhaltliche und sprachliche Besonderheit bescheinigen muss. Endlich ein Buch, das wegführt von der tausendfachen oberflächlichen Beschreibung von Liebe und Beziehung. Erzählungen, die der Leser nicht aufhören kann zu verschlingen. Bereits vor Fertigstellung der Arbeit beschäftigte sich eine literarische Facharbeit mit einer Erzählung des Buches und zeigte, wie intensiv die Autorin es schafft, auch junge Leute mit diesem Buch in die Tiefe der gedanklichen Auseinandersetzung einzubeziehen